Kathleen Seidel, die die Seite neurodiversity.com betreibt, hat eine unfaire und unsinnige Vorladung vor Gericht bekommen – wegen eines kritischen Artikels über ein Gerichtsverfahren, in dem eine Mutter eine Pharmafirma verklagt, weil sie denkt, dass ihr Kind durch Impfstoffe autistisch geworden sei. Kathleens Widerspruch gegen die Vorladung kann man in dem Blog lesen. Die Vorladung als einer von vielen Versuchen, Autisten zum Schweigen zu bringen? Ich wünsche Kathleen jedenfalls alles alles Gute und viel Kraft, um sich gegen diesen Einschüchterungsversuch durchzusetzen.
Über den Unsinn mit der MMR-Theorie (Impftheorie) kann man hier nachlesen, wenn man will: Autism Wiki – MMR.
Unter den Motti “Akzeptanz statt Heilung”, “Celebrating Neurodiversity” und ähnlichem wird seit 2005 jährlich der Autistic Pride Day gefeiert. Was unter Autistic Pride verstanden wird, ist allerdings sehr unterschiedlich: Besonders hier in Deutschland scheinen viele “Aspies” der Ansicht zu sein, dieser Tag sei nur für “hochfunktionale” Autisten. Das sieht etwa so aus: “wir feiern, wie intelligent wir sind” oder “wir feiern, wie gut wir trotz Autismus im Leben zurechtkommen”. Das ist nicht Autistic Pride. Autistic Pride heißt vielmehr, so zu feiern, dass alle Autisten mitfeiern können – auch die, die nicht “intelligent” sind oder sich nicht dafür halten (was auch immer “Intelligenz” sein mag), auch die, die ihr Leben mit Persönlicher Assistenz organisieren, die nicht als “normal” durchgehen, die sich nicht “einfach zusammenreißen” können – wie es in der Tat auch manche “Aspies” anderen Autisten gern empfehlen.
Andere Leute sagen, dass sie keine Ahnung haben, was “Pride” heißt, dass sie aber gern mit anderen Autisten Party machen wollen. Es spricht nichts dagegen, dass Autisten zusammen Party machen – nur soll der Autistic Pride Day nicht darauf beschränkt werden. Der Autistic Pride Day ist ein politischer Aktionstag – eine bloße Party kann man an jedem beliebigen Tag machen, oder man erfindet einen neuen Autistic Party Day. Das heißt nicht, dass man am Autistic Pride Day keinen Spaß haben dürfte. Es heißt nur, dass das nicht alles sein sollte – wenn man es Autistic Pride Day nennt.
Nun habe ich auch die Rezensionen zu dem Büchern von Daniel Tammet (”Elf ist freundlich und Fünf ist laut”) und Tony Attwood (”Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom: Alle Fragen – alle Antworten”) entdeckt. Das Buch von Daniel Tammet habe ich bereits gelesen und fand es sehr schön, sehr lesenswert. Ich finde sein Buch auch deshalb wichtig, weil “Savants” meistens auch ihre speziellen Fähigkeiten reduziert werden und der Mensch “dahinter” (!) vergessen wird. In seinem Buch lernt man Daniel Tammet tatsächlich als einen Menschen kennen, und als einen sehr netten noch dazu. Lohnt sich auf jeden Fall zu lesen, auch wenn man sich gar nicht für Autismus interessiert, und ist auch schön geschrieben.